18.08.2016 - 15:26

Kosten für Stromspeicher - Lohnt es sich noch, auf fallende Preise zu warten?

In der Kategorie Aktuell

Hunderttausende Eigenheimbesitzer haben längst erkannt, dass es langfristig günstiger und umweltfreundlicher ist, Strom mit Hilfe der Sonne selbst zu produzieren statt ihn aus dem Netz zu kaufen. Mittlerweile stehen laut BSW Solar schon mehr als 60.000 Batteriespeicher in deutschen Haushalten, so dass ihre Besitzer den Solarstrom am Tag und in der Nacht nutzen können.

Die Vorteile von Batteriespeichern liegen auf der Hand. Zusammen mit einer Photovoltaik-Anlage können Hausbesitzer rund 75 % ihres Strombedarfs selbst abdecken. Ein Haushalt spart damit einen Großteil seiner Stromkosten, was bei vielen einem hohen dreistelligen Betrag im Jahr entspricht. Dazu kommt die Unabhängigkeit vom Energieversorger und von den steigenden Strompreisen, bei denen viele Leute das Gefühl haben, machtlos zu sein. Da die Energiequelle sauber und kostenlos ist, können die Menschen ihren eigenen Beitrag zum Umweltschutz leisten und müssen nicht warten, bis die Politik aktiv wird.

Trotzdem warten viele Eigenheimbesitzer noch ab. Na klar, die Technologie ist verhältnismäßig neu, da bedarf es Vertrauen. Dazu kommen die üblichen Bedenkenträger, welche neue Technologien grundsätzlich als ungeeignet erkennen. Unvergessen ist der ehemalige RWE-Chef Jürgen Grossmann, der Solarstrom in Deutschland mit dem Ananas-Züchten auf Alaska verglich. Unsere Kunden widerlegen das jeden Tag, indem sie sich zum größten Teil mit eben diesem Solarstrom versorgen.

Der Hauptgrund, der viele Menschen bei Batteriespeichern noch zögern lässt, ist die Wirtschaftlichkeit. Sie möchten lieber noch warten, bis Speicher noch günstiger werden. Dieses Argument ist heute überholt. Vor einigen Jahren mag es noch gestimmt haben, als Batteriespeicher große, unansehnliche Kästen mit dem Preis eines Mittelklassewagens waren. Das ist mit der Situation im Jahr 2016 nicht mehr vergleichbar. Tatsächlich war das Umfeld nie besser als heute und wird es vielleicht sogar nie wieder sein.

Die Preiskurve flacht ab

Bei allen neuen Technologien sind die Kosten am Anfang sehr hoch und gehen dann schnell auf Talfahrt. Danach flacht die Kurve ab und pendelt sich irgendwann ein. So auch bei uns. Während die ersten sonnenBatterien mittlerer Größe im Jahr 2011 noch jenseits der 30.000 Euro kosteten, ist es heute deutlich weniger.

Eine 6-kWh-sonnenBatterie kostet heute rund 9.000 Euro (brutto), ist also um den Faktor 3 bis 4 niedriger als vor 6 Jahren. So einen gewaltigen Rückgang in Höhe von zehntausenden Euro wird es in der Form also nicht mehr geben. Die Preise von Batteriespeichern haben mittlerweile ein Niveau erreicht, das für viele Menschen annehmbar ist.

In den letzten beiden Jahren sind die Preise für Batteriespeicher um jährlich 15 Prozent gesunken. Selbst wenn das so weiter geht, werden die damit verbundenen Beträge natürlich immer geringer. Den großen Kostensprung haben wir also schon hinter uns, die Preiskurve ist nicht mehr im Sturzflug sondern flacht ab.

Gesparte Kosten gegenüber Ausgaben für Strom

Eine besondere Eigenschaft des Batteriespeichers ist: Er verdient vom ersten Tag an Geld. Nämlich über die dadurch wegfallenden Stromkosten. Das unterscheidet ihn von nahezu allen anderen Technologien in einem Haushalt. Die Frage ist also: Sind die noch zu erwartenden Preissenkungen bei Speichern höher als die Kosten, die man im gleichen Zeitraum sparen würde? Nur dann wäre es tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll, weiter zu warten.

Daher schauen wir einmal auf die konkreten finanziellen Rahmenbedingungen. Die Vorteile die heute tatsächlich bestehen sind vielfältig aber nicht sofort ersichtlich. Dazu legen wir den Preis einer sonnenBatterie mit einer Kapazität von 6 kWh zum Brutto-Preis von rund 9.000 Euro* zu Grunde.

1. Die Stromkosten

Bei einem Verbrauch von 4.000 kWh und einem Eigenverbrauch von geschätzten 75 Prozent, kann ein Haushalt einer Photovoltaik-Anlage und sonnenBatterie schon die Bezugskosten für 3.000 kWh Strom sparen. Beim aktuellen Durchschnittsstrompreis von 29,2 Cent/kWh** sind das 876 Euro im Jahr.

Wer also noch ein Jahr auf fallende Preise wartet, zahlt im Gegenzug 876 Euro mehr Stromkosten. In zwei Jahren sind es sogar schon über 1.750 Euro. Steigt der Strompreis an, sind es sogar noch mehr.

Ergebnis 1: Für unseren Beispielhaushalt, der noch ein Jahr wartet, müsste der Preis für seine PV-Anlage und den Batteriespeicher im nächsten Jahr also schon um mehr als 876 Euro bzw. 10 % zurückgehen, damit sich sein Warten rentiert. Allein damit ist man schon in einem Bereich, der dem durchschnittlichen Preisrückgang der letzten beiden Jahre sehr nahe kommt.

2. Die sinkende Speicherförderung

Das ist aber erst der Anfang. Die KfW-Förderung des Programms für Energiespeicher (KFW 275) bietet 2017 nicht nur sehr günstiges Fremdkapital an, nämlich ab 1% Zins bis zu einer Laufzeit von 20 Jahren, sondern bezuschusst Speicher noch bis zum 31.10.2017 mit 16 % des Anschaffungswertes.

Im Fall unserer 6-kWh-sonnenBatterie ergibt sich damit eine Förderung von immer noch 944 Euro***. Die Förderung ist jedoch abnehmend gestaltet und fällt ab Januar 2018 auf 10 %.

Wer jetzt ein Jahr wartet, gewinnt zwar theoretisch einen um 15 % günstigeren Speicher, verliert aber bei der Förderung doppelt. Einmal, weil der Satz von 16 % auf 10 % sinkt und weil der günstigere Speicher auch weniger stark gefördert wird.

Bei unserem Beispiel erhält man ab 2018 mit der Förderung nur noch 477 Euro****, also rund 470 Euro weniger! Wer also nicht bis zum Jahresende aktiv wird, verliert auf Jahressicht bereits diese 470 Euro. 2018 endet das Programm in Gänze, wer dann nicht gehandelt hat, geht leer aus und verliert die vollen 944 Euro.

Ergebnis 2: Vorausgesetzt, der Haushalt nimmt den KfW-Tilgungszuschuss in Anspruch, würde er bei einem Jahr Wartezeit bei unserer Konstellation 470 Euro Zuschuss verlieren. Insgesamt wären wir schon bei 1.346 Euro bzw. 15 %, die der Speicher innerhalb eines Jahres günstiger werden müsste, damit sich das Warten lohnt. Damit sind alle wirtschaftlichen Vorteile der Wartezeit schon jetzt aufgehoben.

3. Die sinkende EEG-Vergütung bzw. wie lange gibt es noch etwas?

Wer sich eine Solaranlage und einen Speicher zulegt, der spart nicht nur Strom, sondern erhält zusätzlich noch die Einspeisevergütung für den Strom, der nicht selbst verbraucht wird. Das ist nochmal ein guter Zusatzverdienst. Unsere 5,5-kWp-Anlage produziert im Jahr rund 5.500 kWh Strom, von denen 3.000 kWh selbst verbraucht werden und 2.500 kWh ins Netz eingespeist werden. Diese 2.500 kWh haben aktuell einen jährlichen Wert von 305 Euro.

Zwar hat sich die Vergütung bei aktuell 12,2 Cent/kWh in den letzten Jahren kaum verändert, allerdings senkt der Gesetzgeber die Vergütung für eingespeisten Strom, sobald wieder mehr PV-Anlagen in Deutschland errichtet werden. Es gibt also keinerlei Sicherheit dafür, ob der Einspeisesatz in einem Jahr gleich ist oder weiter sinkt. Wie lange es ihn überhaupt noch geben wird, ist eine andere Frage. Doch schon jetzt wird in der Politik immer häufiger laut darüber nachgedacht, die seit dem Jahr 2000 laufende Einspeisevergütung ganz abzuschaffen, da sie ja zum Zweck hatte, die Kosten für erneuerbare Energien soweit zu senken, dass sie konkurrenzfähig sind.

Aber selbst wenn die Vergütung erhalten bleibt, machen selbst kleine Schritte einen großen Unterschied. Nehmen wir mal an, dass die EEG-Vergütung in einem Jahr nur um ein Cent sinken würde, dann gehen die Einnahmen in unserem Beispiel auf 280 Euro pro Jahr zurück. Das sieht erstmal nicht viel aus aber da diese Vergütung für 20 Jahre garantiert wird, ergibt sich eine Differenz von 500 Euro!

Ergebnis 3: In diesem Fall würde unser Haushalt nun schon rund 1.846 Euro oder gut 20 % verlieren, weil er ein Jahr gewartet hat. Mit der zu erwartenden jährlichen Preissenkung von 15 % bei Batteriespeichern innerhalb eines Jahres ist das nicht mehr aufholbar.

4. Steuerfreier Eigenverbrauch – aber wie lange noch?

Dazu kommen aber noch zahlreiche weitere Faktoren, die sich heute gar nicht genau beziffern lassen. Derzeit sind noch alle Photovoltaik Anlagen unter 10 kWp von sämtlichen Steuern und Abgaben befreit (z.B. KWKG Abgabe, Stromsteuer, EEG Umlage etc.). Auch dieses Privileg ist durchaus gefährdet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat im letzten Jahr einen Vorschlag präsentiert, selbst erzeugten Strom zumindest mit einem reduzierten Steuersatz zu besteuern. Selbst eine reduzierte Besteuerung von nur 2 Cent pro kWh auf selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom hätte über den Zeitraum von 20 Jahren einen negativen Effekt von 1.200 Euro.

5. Die sonnenFlat

Nimmt der Haushalt auch an unserer sonnenFlat teil, spart er sogar 100 % seiner Stromkosten. Beim aktuellen Strompreis und dem Verbrauch von 4.000 kWh entspricht das 1.168 Euro. Abzüglich der Mitgliedschaft in der sonnenCommunity bleiben 928 Euro Vorteil, also nochmal 80 Euro mehr im Jahr. Rechnet man die anderen Faktoren mit ein, entgingen dem Haushalt dadurch schon 1.928 Euro bzw. 21,5 %.

Fazit – Entgangene Einnahmen und Einsparungen heben Preissenkungen bei Speichern auf oder verschlechtern die Bilanz sogar.

Kumuliert man den gesparten Strompreis, die Absenkung der KfW-Förderung und eine angenommene Verringerung der Einspeisevergütung 2017 gegenüber 2018 um 1 Cent/kWh, übersteigt das das Preissenkungspotenzial für Batteriespeicher recht klar.

Die Preise sind bereits niedrig genug, dass zukünftige Kostensenkungen immer moderater ausfallen und so durch die Wartezeiten wieder aufgefressen werden.

Wer wirtschaftlich argumentiert, muss diese Faktoren mit einrechnen und wird in den meisten Fällen erkennen, dass Warten hier Geld kostet. Berücksichtigt man zusätzlich die günstigen Finanzierungsbedingungen zum Niedrigzins sowie die Rechtssicherheit, jetzt noch dauerhaft steuerfrei Strom selbst produzieren zu können, muss man feststellen, dass 2017 tatsächlich sehr gute Rahmenbedingungen aufweist, einen Energiespeicher zu kaufen. Wie schon bei der Photovoltaik könnte sich zu langes Warten sonst rächen.

Zinseffekte, Steuern oder Versicherungen sind in dieser Rechnung nicht berücksichtigt

*inkl. Mitgliedschaft sonnenCommunity

**Quelle Stromauskunft: https://www.stromauskunft.de/strompreise/

*** Beispielrechnung mit einem Nettopreis einer 5,5-kWp-PV-Anlage von 1.300 Euro/kWp = 7.150 Euro sowie einem Nettopreis der sonnenBatterie von 7.550 Euro

**** Beispielrechnung mit einem Nettopreis einer 5,5-kWp-PV-Anlage von 1.300 Euro/kWp = 7.150 Euro sowie einem Nettopreis der sonnenBatterie von 6.418 Euro